Panorama von Punta Fea Nera

Über den Schneeberg

Der Schneeberg

Mit dem Zug fuhren wir wieder nach Puchberg, um noch am Ankunftstag die erste Hütte zu erreichen, aber natürlich nicht auf dem 2000 m hohen Plateau, sondern mit der Edelweißhütte erst einmal eine Unterkunft auf halber Höhe. Daß man in Puchberg anscheinend gerne Touristen anlockt, ihnen aber nicht den Weg in die Berge zeigt, mußten wir gleich am Bahnhof feststellen: Kein Wegweiser, der zu einer der Hütten zeigt! Aber irgendwelche anderen Schilder mit Nummern, von denen man nicht weiß, wohin sie führen, die haben wir später gefunden. Also unbedingt Landkarte mitnehmen und dieses seltsame Nest verlassen!

Landkarte Puchberg - Schneeberg - Rax © BEV, 2006

Wir gingen erst an der Zahnradbahn entlang, dann über Schneebergdörfl beim Schwabenhof vorbei in den Wald, wo wir Schilder zur Bürkle-Hütte fanden. Die erreichten wir auf auf einem schönen Waldweg, der auf einem kleinen Bergrücken in die Höhe führt. Von der erwähnten Hütte und dem kleinen Kamm darüber schöne Ausblicke in die steilen Nordabstürze des Schneebergs. Wir gingen fast ebenhin weiter zur Edelweißhütte. Von ungefähr dort ergab sich der Blick zum Schneeberg, den wir rechts zeigen.

Am nächsten Morgen (wir waren die einzigen Gäste) folgten wir nach einem guten Frühstück der Beschilderung zur Fischerhütte und gingen somit den Fadensteig. Der ging erst durch Wald, dann aber sehr schön durch Felsen, immer wieder mit schönen Ausblicken in die hier nur hügelige Landschaft. Leider hatten wir hier einen ersten Regenschauer der angekündigten Kaltfront. Bevor wir auf das Plateau des Schneebergs kamen, lockerte es aber wieder auf, und wir konnten einige Gemsen beobachten.

Gemsen

Bald erreichten wir die Fischerhütte des Österreichischen Touristenklubs. Da das Wetter zwar sehr windig war, aber trocken, gingen wir erst einmal zum nahen Klosterwappen, der mit 2076 m höchsten Erhebung des Schneebergs. Zwar mit Sendeanlagen verunstaltet, aber auch mit schöner Aussicht, u.a. zur Rax, dem nächsten Ziel unserer Route. Das Plateau des Schneebergs besteht aus Wiesen und Latschen. Immer wieder fallen Dolinen auf, wo versickerndes Regenwasser den Untergrund ausgespült hat und es zur Bildung dieser Trichter kam. Weiter ging es zum niedrigeren Waxriegel mit Gipfelkreuz.

Von hier hatten wir einen schönen Überblick über das Relief des Schneebergs. Der Blick reichte selbst bei dem nicht gerade klaren Wetter bis zum immerhin 70 km entfernten Neusiedlersee, der sich in der Ferne als glänzendes Band unter dem Horizont zeigte. Ansonsten blickt man vor allem auf eine Mittelgebirgslandschaft, von der ein Teil im Südosten "Bucklige Welt" heißt. Es ist nicht zu übersehen, daß die Alpen hier zu Ende sind. Zu Ende? Für uns fangen sie hier erst an. Gehen wir doch schließlich vom Ostalpenrand längs hindurch bis zum Mittelmeer.

Gentianella austriaca

Wir gingen wieder zurück in Richtung Fischerhütte. Dabei konnten wir uns an den vielen Enzianen erfreuen, die dicht an dicht auf den Wiesen wachsen. Es müßte sich um den Österreichischen Enzian (Gentianella austriaca) handeln. Hier macht sich doch auch in der Zusammensetzung der Flora bemerkbar, wie weit wir im Osten sind. Denn nur hier am Ostalpenrand kommt er vor.
Die Fischerhütte steht ganz nah an den Nordabbrüchen des Schneebergs. Diese grandiosen Blicke sollte man sich nicht entgehen lassen. Der stürmische Wind ist auf dem unteren Foto zu erahnen. Wir mußten uns warm anziehen, aber das Erlebnis war faszinierend!

In der Nacht in der Fischerhütte hatte das Wetter dann endgültig umgeschlagen. Morgens hatten wir nur etwa 20 m Sicht. Gut daß der Weg auch durch Stangen markiert wird. Es hatte etwas geschneit (4. September!), die Temperatur unter 0°C, Sturm mit Graupel peitschte in unsere Gesichter. Nichts wie hinunter! Für den Tag wurde ja auch wirklich schlechtes Wetter angesagt. So waren wir froh, überhaupt den Weg sicher zu finden. Im Wald wurde der Wind schwächer. Wir kamen an der nur am Wochenende bewirtschafteten Kienthalerhütte vorbei und entschieden uns, trotz unseres Wochengepäcks und des schlechten Wetters durch die Weichtalklamm zu gehen. Da es immer wieder regnete, gibt es hier keine Fotos. Wohl aber den Tip, unbedingt durch diese Klamm zu gehen, wenn man in der Nähe ist! Mal ist sie weit, mal wieder ganz eng, Stufen werden über Leitern und mit Ketten überwunden. So macht Wandern Spaß!
Ja, und dann wollten wir ja die Wanderung fortsetzen. Trotz des Wetters, das laut Wetterbericht vom Vortag ja nur an jenem 4. September so schlecht sein sollte. Da mußten wir also durch. Nach kurzer Rast beim Weichtalhaus stiegen wir hoch Richtung Ottohaus. Der Weg über den Wachthüttlkamm macht (bei schönem Wetter) ebenfalls viel Spaß. Anfangs ist er extrem steil und führt über viele Leitern bergauf. Der Blick hinüber zum Schneeberg wäre sicher auch schön gewesen. Wir sahen ja nur tiefe Wolken, in die wir später selbst kamen.
Ja, es wurde neblig, schließlich ging der Regen in Schnee über, bald war das Ottohaus erreicht. Natürlich waren wir auch hier die einzigen Gäste. Wer ist denn schon so verrückt, bei dem Wetter Bergtouren zu unternehmen? Aber für den nächsten Tag hatten wir ja Hoffnung auf besseres Wetter. Die Hoffnung mußte der Wirt uns schnell nehmen. Noch schlechter sollte es werden mit sinkender Schneefallgrenze! Und am Donnerstag in den Niederungen Hochwassergefahr. Gewaltige Niederschlagsmengen waren angekündigt. Uns wurde klar, daß wir am nächsten Tag absteigen mußten. Unmöglich, bei solchen Verhältnissen weiterzugehen, womöglich den Weg nicht mehr zu finden.
Als wir am nächsten Morgen uns an den Abstieg über den Törlweg (durch ein lustiges, in den Felsen gehauenes Tor) machten, bat uns der nette Hüttenwirt, unbedingt anzurufen, wenn wir unten sind, damit er wußte, daß wir heile hinuntergekommen waren. Zum Glück hat alles gut geklappt. Nur schade, die 2. Etappe unserer Alpen-Längsdurchquerung hatten wir uns anders vorgestellt...
Im Jahr 2008 ging's weiter. Da klappte es dann endlich mit einer längeren Strecke.

Etappe 3: Über die Rax zum Hochschwab und bis Kärnten

Letzte Änderung: 13.2.2017 | Adresse: www.alpenfreunde.info/etappe_2.php | Menü erstellt mit: Apycom jQuery Menus